Minoxidil – Der beste Wirkstoff der bei Haarausfall hilft?

"Haarausfall ist für viele Menschen mehr als nur ein ästhetisches Problem. Sie leiden auch psychisch unter dem Verlust ihrer Haarpracht."

Denn volle Haare gelten als Statussymbol und sind - nicht erst seit heute - ein Sinnbild für Jugend und Gesundheit gewertet. Die Ursachen für Haarausfall sind vielfältig und ebenso groß ist das Angebot an vermeintlich wirksamen Substanzen, die ihn aufhalten oder gar umkehren sollen. Eine dieser Substanzen ist der Wirkstoff Minoxidil, der unter dem Handelsnamen "Regaine" zur Behandlung von genetisch bedingtem Haarausfall erhältlich ist. Was sich hinter diesem Namen verbirgt, wie Minoxidil wirkt und weitere interessante Fakten zu dem Wirkstoff erfährst du in unserem Ratgeber.

Was ist Minoxidil?

Was ist Minoxidil?

In der Vergangenheit ist es schon mehrfach vorgekommen, dass ein für einen bestimmten Zweck gedachter Wirkstoff zu Nebenwirkungen führt, die sich anderweitig nutzen lassen. Eine solche Zufallsentdeckung ist auch Minoxidil. Der im 1970er Jahren zur Behandlung von Bluthochdruck (arterieller Hypertonie) entwickelte Wirkstoff zeigte im Rahmen eines Forschungsprojekts bei einigen Probanden eine auffällige Nebenwirkung. Bei ihnen löste das blutdrucksenkende Medikament ein verstärktes Haarwachstum aus.

Das US-Pharmaunternehmen Upjohn, welches heute zu Pfizer gehört, entwickelte daraufhin eine minoxidilhaltige Tinktur zur Behandlung von genetisch bedingtem Haarausfall (androgenetische Alopezie) und brachte sie unter dem Namen "Regaine" auf den Markt. Heute ist "Regaine" als Lösung und Schaum für Frauen und Männer erhältlich, die an Haarverlust leiden.

Darüber hinaus gehört Minoxidil weiterhin zu den sogenannten Reservemitteln für therapieresistenten Bluthochdruck. Das bedeutet, dass Minoxidil dann zum Einsatz kommt, wenn andere Antihypertonika selbst in hoher Dosierung keinen ausreichenden Erfolg in der Behandlung des Bluthochdrucks erzielen konnten.

Wie wirkt Minoxidil?

Während der Wirkmechanismus von Minoxidil bei der Behandlung von Bluthochdruck weitgehend gesichert ist, besteht noch Forschungsbedarf hinsichtlich der genauen Wirkungsweise bei der Behandlung von Haarausfall.

Wie wirkt es bei Bluthochdruck?

Als Mittel gegen arterielle Hypertonie (Antihypertensivum) bewirkt Minoxidil, dass sich die Muskulatur in den Gefäßwänden entspannt. In der Folge weiten sich die Blutgefäße und der Blutdruck sinkt. Für die Behandlung von hohem Blutdruck ist Minoxidil in Form von Tabletten erhältlich. Es stehen zwei Dosierungen (2,5 mg und 10 mg) zur Verfügung. Etwa eine Stunde nach der Einnahme von Minoxidil hat der Wirkstoff seine maximale Konzentration im Blutspiegel erreicht und wird dann langsam von der Leber wieder abgebaut. Ungefähr nach 4 Stunden hat der Körper die Hälfte des Wirkstoffs über den Urin ausgeschieden.

Wie wirkt Minoxidil bei Haarausfall?

Bei der Behandlung von erblich bedingtem Haarausfall kommt Minoxidil als Lösung oder Schaum zur Anwendung. Für Frauen wird der Wirkstoff als 2%ige Lösung, für Männer als 5%ige Lösung und 5%iger Schaum angeboten. Die Wirkweise ist ähnlich wie bei der Einnahme als Blutdrucksenker. Aufgetragen auf die Kopfhaut führt der Wirkstoff vermutlich auch hier zu einer Weitung der Blutgefäße. Dadurch werden die Haarwurzeln besser mit Blut und Nährstoffen versorgt, was den Haarwuchs anregt. Allerdings ist der tatsächliche Wirkmechanismus als Haarwuchsmittel bislang noch nicht vollständig geklärt.

Wie wird es gegen Haarausfall angewendet?

Achtung: Die Anwendung darf nur auf gesunder, unverletzter Kopfhaut erfolgen!

Die Anwendung von minoxidilhaltigen Haarwuchsmitteln ist einfach: Du trägst die Lösung oder den Schaum 1-2 Mal täglich vorsichtig auf die betroffenen Stellen der trockenen Kopfhaut auf. Achte darauf, dass diese frei von Fett und trocken ist. Wichtig: Richte dich bei der Menge, die auf aufträgst, unbedingt nach den Anweisungen in der Packungsbeilage. Eine größere Menge erzielt keinen größeren Effekt!

Nach der Anwendung solltest du gründlich deine Hände waschen. Achte darauf, dass du nicht versehentlich mit den Fingern in oder an deine Augen, deine Nase oder deinen Mund fasst. Passiert es doch, musst du das Minoxidil schnell mit viel Wasser abwaschen. Die Kopfhaut sollte anschließend für etwa 4 Stunden nicht befeuchtet werden. Unabhängig davon, kannst du deine Haare nach der Anwendung wie gewohnt frisieren.

Bis Minoxidil seine Wirkung entfaltet, kann einige Zeit vergehen. In der Regel sollte jedoch innerhalb von vier bis sechs Monaten eine positive Veränderung auf der Kopfhaut zu beobachten sein. Stellt sich diese hingegen auch nach 8 bis 12 Monaten nicht ein, solltest du die Anwendung des Haarwuchsmittels beenden. Befrage in diesem Fall deinen Arzt, welche anderen Möglichkeiten dir zur Verfügung stehen.

Zeigt es die gewünschte Wirkung, darfst du die Anwendung nicht plötzlich abbrechen. Um die erzielte Wirkung beizubehalten, musst du die Anwendung langfristig fortsetzen. Tust du dies nicht, kommt es nach Abbruch der Behandlung erneut zum Haarausfall.

Was ist bei der Anwendung sonst noch zu beachten?

Minoxidilhaltige Präparate wie Regaine können die Schleimhäute und die Augen reizen. Sollte das Mittel versehentlich mit diesen in Kontakt kommen, spüle es möglichst schnell ab. Um dieses Risiko zu verringern, wasch deine Hände nach jeder Anwendung sorgfältig! Achtung: Diese Mittel sollten nicht eingeatmet und auf keinen Fall verschluckt werden. Es kann sonst zu schweren Nebenwirkungen kommen. Auswirkungen auf die Bedienung von Maschinen oder die Verkehrstüchtigkeit sind bei normaler Anwendung allerdings nicht bekannt. 

Minoxidil für mehr Bartwachstum?

Viele Männer wünschen sich einen kräftigen Bartwuchs, schließlich gilt eine gepflegte Gesichtsbehaarung als das Männlichkeitssymbol schlechthin. Jedoch ist nicht jeder Mann mit einem vollen Bart gesegnet. Bei vielen Männern ist der Wuchs ungleichmäßig und weist kahle Stellen auf. Die Gründe dafür sind meistens hormoneller Natur. Ein begünstigender Faktor ist das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Männer, die einen hohen Testosterongehalt im Blut haben, haben in der Regel auch einen kräftigen Bartwuchs. Wer das nicht hat und sich einen dichten Bart wünscht, muss sich anderweitig behelfen.

Eine Möglichkeit bietet die Barthaartransplantation, die allerdings sehr aufwendig und schmerzhaft ist. Eine Alternative ist Minoxidil. Der Wirkstoff wirkt nicht nur auf dem Kopf, sondern auch im Bartbereich des Mannes. Die Anwendung ist gleich: Minoxidil wird ein- bis zweimal täglich auf die kahlen Stellen aufgetragen. Einige Männer können nach wenigen Wochen einen stärkeren und dichten Wuchs an den Wangen, dem Kinn und der Oberlippe beobachten. Die besten Ergebnisse zeigen sich nach zwei- bis viermonatiger Anwendung des Haarwuchsmittels.

Wirksamkeit bei Männern

Seit Entdeckung des Haarwuchsmittels beschäftigten sich zahlreiche Studien mit dessen Wirksamkeit. Eine Studie unter der Leitung der Dermatologin Dr. med. Anne Elise A. Olsen untersuchte die Wirksamkeit von Minoxidil als Mittel gegen Haarausfall bei Männern über einen Zeitraum von 16 Wochen. Im Rahmen dieser Studie erhielten die 352 Probanden zu gleichen Teilen einen Schaum mit 5% Minoxidil und ein wirkstofffreies Placebo. Bereits nach 12 Wochen ließ sich bei den Anwendern eine Zunahme des Haarwachstums beobachten. Im Vergleich zur Placebo-Gruppe war dies viermal, nach einem Zeitraum von 16 Wochen sogar fünfmal so stark. Insgesamt nahm die Gesamthaarzahl pro m² deutlich zu (Beispiel: Nach 16 Wochen mit Regaine = +20,9 Haare, mit Placebo = +4,7 Haare).

Laut dem Hersteller von Regaine wurde die Wirksamkeit von Minoxidil bei erblich bedingtem Haarausfall inzwischen in mehr als 50 Studien wissenschaftlich belegt. Ihm zufolge stoppt der Minoxidil den Haarausfall bei etwa 90 % aller betroffenen Männer. Bei etwa einem Drittel kommt es zu einem neuen Haarwuchs an den betroffenen Stellen. Ob, wann und wie stark sich die Wirkung des Mittels zeigt, ist jedoch von zahlreichen Faktoren abhängig und für den Einzelfall nicht vorhersagbar. Die besten Ergebnisse sollen bei Männern aus der Altersgruppe der 18 bis 49-Jährigen zu erzielen sein, deren Haarausfall vor weniger als 10 Jahren begonnen hat.

Wirksamkeit bei Frauen

Im fortgeschrittenen Alter leiden viele Frauen unter Haarverlust und lichter werdendem Haar. Für Sie ist der Verlust ihres Haupthaares mehr als nur ein optisches Problem. Eine Möglichkeit den Haarausfall zu stoppen, ist die Behandlung mit Minoxidil. Zahlreiche Studien konnten zeigen, dass Frauen von einer Therapie mit dem Wirkstoff profitieren.

 Zuletzt wurden in einer Übersichtsarbeit 47 Studien zur Anwendung von Minoxidil bei Frauen untersucht. Dabei kam heraus, dass Minoxidil auf jedem Fall besser ist als die Behandlung mit einem Placebo. In acht Studien zeigte sich bei den Frauen, die den Stoff anwendeten, eine deutliche Zunahme der Gesamthaarzahl pro cm² im Vergleich zur Placebo-Gruppe. In 13 Studien war der Anteil der Frauen, bei denen der Haarzuwachs unter der Behandlung mit Minoxidil moderat ausfiel, doppelt so hoch wie bei den Anwenderinnen eines Placebos. Die Nebenwirkungen fielen moderat aus und beschränkten sich auf Reizungen der Kopfhaut.

Gibt es Nebenwirkungen?

Wie jeder Arzneistoff kann auch Minoxidil unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Diese müssen nicht bei jedem Menschen auftreten, jedoch besteht ein gewisses Risiko hierzu. Allgemein ist Minoxidil zur Behandlung von Haarausfall gut verträglich. Da es hier - anders als bei der Therapie von Bluthochdruck - nur äußerlich zur Anwendung kommt, ist die Bandbreite der möglichen Nebenwirkungen kleiner.

Bei der Anwendung gegen Haarausfall kann es bei empfindlichen Personen zu allergischen Reaktionen kommen. Diese können mit Schwellungen im Gesicht (Angioödem) einhergehen, die schlimmstenfalls das Atmen und Schlucken erschweren. Gelegentlich berichten Anwender über Hautschuppungen, -entzündungen oder -rötungen. Auch Juckreiz kann als Nebenwirkung auftreten. Selten kommt es zu Wassereinlagerungen im Körper (Ödeme), einem beschleunigten Herzschlag, Schwindel oder niedrigem Blutdruck. Vorsicht sollten Personen walten lassen, die an einer Herzerkrankung leiden. Bei ihnen kann Minoxidil eine Angina pectoris auslösen oder verstärken.

Bei weiblichen Anwendern des Haarwuchsmittels kann es in seltenen Fällen zu einer Überbehaarung (Hypertrichose) kommen. Dabei wachsen übermäßig viele und dunkle Haare im Gesicht, auf dem Rücken oder an den Armen.

 Generell gilt wie bei allen Arzneistoffen: Treten Nebenwirkungen auf, solltest du die Behandlung sofort unterbrechen und einen Arzt aufsuchen. Er kann nach eingehender Untersuchung entscheiden, ob eine Weiterbehandlung sinnvoll ist. Dies gilt insbesondere, wenn während der äußeren Behandlung folgende Symptome auftreten:

- Schwellungen an Händen oder Füßen
- Herzrasen
- Brustschmerzen
- Schwäche- oder Schwindelgefühl
- plötzliche Gewichtszunahme ohne erkennbare Ursache

Verstärkter Haarausfall zu Beginn der Anwendung

Wenn du Minoxidil zum ersten Mal anwendest, kann es nach etwa 2 bis 6 Wochen zu einem verstärkten Haarausfall kommen. Vermutlich liegt das daran, dass die Haare schneller von der Ruhephase (Telogenphase) in die Wachstumsphase (Anagenphase) gelangen. Das führt dazu, dass alte Haare schneller ausfallen und neue Haare schneller nachwachsen können. Dieser anfänglich verstärkte Haarausfall hält in der Regel einige Wochen an, verschwindet dann aber von selbst. Er kann durchaus als erster Effekt von Minoxidil interpretiert werden.

Gegenanzeigen (gegen Haarausfall)

Unter bestimmten Umständen solltest du von der Anwendung von Minoxidil absehen. Das gilt insbesondere während der Schwangerschaft und der Stillzeit. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist die äußerliche Anwendung von minoxidilhaltigen Mitteln generell verboten. Darüber hinaus solltest du Präparate mit Minoxidil oder einer ähnlichen Wirkstoffklasse wie Regaine nicht anwenden, wenn du

- an plötzlichem oder ungleichmäßigem Haarausfall leidest
- an Haarausfall im Bereich der Schläfen leidest
- andere Arzneimittel auf deiner Kopfhaut anwendest

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